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"GESCHICHTEN AUS DEM SCHULHAUS" (1)

Georg Cantor, Friedrich Meyer und Felix Bernstein

Am 6. Januar 2018 jährt sich zum 100 Mal der Todestag des großen Mathematikers Georg Cantor, der 50 Jahre seines Lebens in Halle verbrachte und hier auch begraben ist (Friedhof in der Friedensstraße). Die Stadt Halle als auch die Universität, an der Cantor eine Professur erhielt, werden dieses Jubiläum durch verschiedene Veranstaltungen würdigen. Weniger bekannt ist wohl Folgendes: Auch zwischen unserem Schulhaus, das im April 2019 150 Jahre als Schule besteht, gibt es eine Verbindung zu Cantor. Der legendäre Mathematiklehrer des Stadtgymnasiums, Friedrich Meyer (sein Grab existiert bis heute auf dem Stadtgottesacker), war ein Freund Cantors. Meyer hat das wohl erste deutsche Schullehrbuch mit Hinweisen auf Cantors neue Mengenlehre und seine Kontinuumshypothese herausgebracht und wird wohl auch im Mathematikunterricht - zumindest in der Oberstufe - seine Schüler damit vertraut gemacht haben. Und dies geschah in einer Zeit, in der bedeutsame Mathematiker die Cantorsche Theorie rundweg abgelehnt hatten. Der selbe Mathematiklehrer Friedrich Meyer kann wohl auch als der Entdecker des herausragenden Talents des jüdischen Schülers Felix Bernstein angesehen werden, der in unserem Schulhaus sein Abitur machte. Er vermittelte Bernstein (nach dessen Vater ist bis heute ein Institut der Universität benannt ist) noch als Schüler an Cantor weiter, der später dessen Doktorvater wurde. Ob Cantor selbst je in unserem Schulhaus war ist unbekannt. Die "Schüler" der Professoren wurden damals oft in deren Wohnungen (Cantors Villa befindet sich heute in der Händelstr. 13) empfangen. Auf jeden Fall fand Cantor in Felix Bernstein ein junges Talent, dass ihn und seine mathematischen Gedankengänge verstand. Das weitere Schicksal Bernsteins ist mit der Wissenschaftsmetropole Göttingen verbunden. Dort gibt es auch heute noch ein Felix-Bernstein-Institut (Bernstein war dort erster Statistikprofessor). In der Nazizeit musste Bernstein als Jude emigrieren. Ob er nach 1945 noch einmal nach Halle zurückkam (das Grab seines Vaters befand sich bis 1945 auf dem Gertraudenfriedhof) ist nicht bekannt. Seine eigene Grabstätte in der Schweiz ist zumindest der AG Spurensuche der IGS ebenfalls nicht bekannt. Aber eines ist klar: Felix Bernstein war wohl der herausragendste Abiturient, den unser Schulhaus je ins Leben entlassen hat. Gerade deshalb ist es bedauerlich, dass an die Namen Bernstein und Meyer im Hause nirgends erinnert wird. Vielleicht bietet ja das Cantor-Jubiläum im Jahre 2018 Gelegenheit für den einen oder anderen Mathematikkurs, die genannten Gräber in der Stadt aufzusuchen.

Zu den Fotos:
1 - Grab von Friedrich Meyer auf dem Stadtgottesacker
2 - Schulbuch, verfasst von Friedrich Meyer 
3 - Grabstein Georg Cantors auf dem Giebichensteinfriedhof
4 - Institutslogo FBMS
5 - Insittutslogo BCCN

- Satz von Cantor-Bernstein-Schröder (s. Wikipedia-Artikel)
- Weitere Artikel im Bereich Projekte --> Spurensuche
- Das von Friedrich Meyer verfasste Schulbuch ist im Historischen Schularchiv ausleihbar
 
Hinweis: In Göttingen gibt es heute zwei wissenschaftliche Einrichtungen, die den Namen "Bernstein" tragen: es sind dies das FBMS (= Felix-Bernstein-Institute for Mathematical Statistics in the Biosciences, benannt also nach dem ehem. Abiturienten aus unserem Schulhaus) und das BCCN (= Bernstein Center for Computational Neuroscience; benannt nach dessen Vater, Julius Bernstein) 

[B. Budnik, 23-12-17; Fotos Bk]
schulgeschichte(at)igs-halle.de