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NEUESTE ERKENNTNISSE üBER FELIX BERNSTEIN UND FRIEDRICH MEYER

I Informationen zur Familie des Julius Bernstein
Nach Recherchen der Jüdischen Gemeinde Halle befinden sich auf dem alten jüdischen Friedhof in der Humboldtstr. folgende Gräber:-----1.       Aufdem Friedhof in der Humboldtstraße 52 gibt es folgende Grabstellen mit den Namen "Bernstein": 

a.      Sophie Bernstein, gest.21.10.1880                                      Grabstelle 1-6-112

b.     Conrad Bernstein, geb. 08.04.1883, gest.23.04.1886     Grabstelle 2-1-6

c.      Heinrich Bernstein, geb. 16.12.1876, gest.11.06.1882   Grabstelle 2-3-24

d.     Charlotte Bernstein, geb. 18.03.1885, gest.14.07.1887 Grabstelle 2-3-28

e.     Ernst Bernstein, geb. 04.09.1894, gest.14.04.1917          Grabstelle6-5-46 (gefallen im 1. Weltkrieg)

f.       Gerda Löwenstein, geb. Bernstein, geb. 04.09.1902,gest. 07.08.1928

g.      Emil Bernstein, geb. 09.02.1862, gest.10.06.1935

 2.       Frau Anna Bernstein (geb. Kramer), geb. am 27.09.1868 in Halle; Privatadresse war inder Hindenburgstr. 63. Ehefrau von Emil Bernstein und Mutter von Ernst Bernstein. 

Sie lebte seit 25.06.1942 im Altersheim in der Boelckestr. 24 (jetzt Dessauer Str. 24) und wurde am 19.09.1942 aus Halle nach Theresienstadt deportiert. Dort ist sie am 14.01.1943 gestorben.

 3.       Julius Bernstein, geb. am 12.05.1887 in Selters, lebte in Köln. Ab Köln wurde er am 22.10.1941 nach Lodz deportiert. Todestag nicht bekannt. 

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Wir bedanken uns bei der Jüdischen Gemeinde für die Informationen. Ob verwandtschaftliche Beziehungen zu den uns interessierenden Bernsteins bestanden ist bisher unbekannt. 

Nach Auskunft der Friedhofsleiterin des Gertraudenfriedhofes gab es dort eine Grabstelle "Bernstein".

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Geh. Medizinalrat
Prof.Dr. Julius Bernstein

Geb. am 08.12.1839
Verst. am 06.02.1917

Ehemalige Grabstelle: Gertraudenfriedhof, Abteilung 7 Urnenwahlgrabstelle 27

Das Nutzungsrecht endete 1947, nachdem auch seine Witwe, Sophie Bernstein, dort bestattet wurde.

Die Grabstelle wurde 1947 gleich wieder neu belegt.

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Auch hier bedanken wir uns für die Auskunft. Damit ist klar, dass der Vater Felix Bernsteins, der Prof. für Physiologie und Namensgeber des heutigen Bernsteins-Instituts auf dem Gertraudenfriedhof bestattet wurde und seine Grabstelle definitiv nicht mehr existiert. Weiter scheint klar zu sein, dass sowohl Julius als auch Felix Bernstein zwar jüdischer Abstammung waren aber keine aktiven Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. 

II Informationen zu Felix Bernstein
Das Universitätsarchiv besitzt einige interessante Dokumente. Für uns besonders wertvoll das Reifezeugnis des Stadtgymnasiums aus dem Jahre 1896 (s. Foto rechts).  Da die Hablilitation in Halle erfolgte und danach einige Jahre Privatdozentur in der Mathematik folgten, sind diese Dokumente wohl von Felix Bernstein eingereicht worden und somit erhalten geblieben. 

Frau Irene Staeves war so nett, die handschriftlichen Eintragungen im Zeugnis in den Computer einzugeben, so dass die Beurteilungen in den einzelnen Fächern für uns heute gut lesbar zur Verfügung stehen (s. rechts).
Als Mitglied der Prüfungskommission hat der Mathematiklehrer Friedrich Meyer neben dem Direktor Friedersdorff unterschrieben (Friedersdorff war nach Nasemann der zweite Direktor des Stadtgymnasiums). 
Hebräisch wurde als Fach auch am Statgymnasium angeboten, aber von Felix Bernstein nicht belegt. Seine Konfession wurde mit "evangelisch" angegeben. Als berufliches Ziel wurde auf dem Reifezeugnis angegeben, "um Mathematik und Philosophie zu studieren". 

In den Universitätsunterlagen zu Felix Bernstein wird als seine Adresse in Halle "Mühlweg 5" angegeben (s. rechts). Dies stimmt mit den Recherchen von Frau Frewer überein, die sie im Göttinger Archiv der Mathematikernachlässe durchführte. Dieses Haus ist heute ein mehretagiges Gebäude, das zum Diakoniewerk gehört. Im Adressbuch für Halle aus dem Jahre 1907 ist als Adresse für Julius Bernstein Mühlweg 5, II. Etage angegeben. Nur in diesem Adressbuch findet sich eine separate Adressangabe für den Privatdozenten Felix Bernstein: Mühlweg 5, III. Etage. Also wohnte die Familie der Bernsteins im gleichen Haus wie der noch ledige erwachsene Sohn Felix.

III Der Enkel Ron Wiener
Die Suche nach dem (wahrscheinlich einzigen) Enkel Felix Bernsteins, Ronald Wiener (Mutter: Dr. Marianne Bernstein-Wiener = Tochter von Felix und Edith Bernstein), führte noch zu keinem Ergebnis, da der Name "Ron Wiener" in den USA zu häufig vorkommt. 

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Friedrich Meyer

Im Universitätsarchiv befinden sich einige wenige Dokumente, die sich auf den Mathematiklehrer beziehen, der 1894 Ehrendoktor wurde. Es fand sich ein lateinischer Druck im A2-Format, der drei Ehrendoktoren nennt, die anlässlich des Universitätsjubiläums den Titel "Dr. h. c." erhielten (s. rechts). Für Friedrich Meyer ist eine Begründung für den Antrag erhalten, die handschriftlich vorliegt und u. a. von Georg Cantor unterschzeichnet wurde. Die Adresse Friedrich Meyers wird in seinen letzten Lebensjahren mit der Reichardtstr. 19 angegeben. Dies war das Haus von Gottfried Riehm, also seines Lehrerkollegen aus dem Stadtgymnasium. Gottfried Riehm hat zwei Jahre nach dem Tode Friedrich Meyers (1898) einen Artikel in einer mathematischen Abhandlung über seinen ehemaligen Kollegen und persönlichen Freund veröffentlicht, der im Göttinger Digitalisierungszentrum einsehbar ist. Dort fand sich auch das bis jetzt einzige Foto Friedrich Meyers (s. rechts).

Die von Zermelo 1932 herausgegebenen Gesammelten Abhandlungen zu Georg Cantor enthalten Arbeiten von Fraenkel zu Cantor, die auf das Verhältnis Cantor - Friedrich Meyer an einigen Stellen eingehen. Es scheint ein freundschaftliches und produktives Verhältnis gewesen zu sein, bei dem Cantor der Gebende und Meyer der Nehmende war. Friedrich Meyer muss wohl auch die wissenschaftlichen Gedankengänge Cantors im Großen verstanden haben, obwohl seine Theorie noch nicht den Siegeszug angetreten hatte, denn sonst ließen sich nicht die vielen Hinweise auf Cantor im Meyerschen Mathematikbuch von 1885 erklären. Dies war dann wohl das erste (!) gymnasiale Mathematiklehrbuch in Deutschland (!), dass auf der Cantorschen Mengenlehre aufbaute (s. rechts).  Eine wahrlich beeindruckende Erkenntnis für unser Haus.

[Bk, 11-08-10] 

FELIX BERNSTEIN

Reifezeugnis des Stadtgymnasiums von 1896 






Zeugnistext (pdf)

FRIEDRICH MEYER

Ehrendoktor 1894 

WOHNUNGEN DER BERNSTEINS 1907

Halle, Mühlweg 5 

FRIEDRICH MEYERS SCHULBUCH