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BUCHLESUNG FüR ZWEI 5. KLASSEN

Nach der spektakulären "IGS als Staat"-Woche und dem schon traditionellen Triathlon bewegen wir uns unaufhörlich auf das Ende des Schuljahres zu: Zeugnisse, Ferien, Schilf in Drübeck - aber auch Umzug in das Ausweichquartier in der Südstadt liegen noch vor uns. Es gibt genug zu tun, die Schüler spüren das. Für die 5b und 5d war für Dienstag in der letzten Schulwoche ein "Besuch" in der Südstadt angesagt. Wo ist die "neue" Schule, wie kommt man dort hin? Dazu passend wollten wir eine Buchlesung mit dem Abiturienten des Elisabeth-Gymnasiums, Daniel Tautz, durchführen, dessen fiktive Erzählung über einen Salzplaneten und die Verbindung zur Salzstadt Halle in diesem Jahr in der Halleschen Anthologie erschienen ist. Das neue, unbekannte Schulgebäude ließ uns aber nicht rein und - das Wetter war der Auslöser - so entschieden wir uns für das Buch- und Kunsthaus Cornelius in der Gr. Steinstr. für unsere Lesung. Es kam der Gedanke auf, dem 18-jährigen Abiturienten, der gerade seine Schulzeit hinter sich gebracht und einen Aufenthalt in Australien vor sich hat, einen ungefähr 80-jährigen "Schriftsteller" gegenüberzustellen, der seine Schulzeit unter ganz anderen politischen Verhältnissen absolvierte. Wir wählten uns dazu den Hallenser Walter Meier aus, der in der Nazizeit eine NAPOLA besuchte (eine Art Jungen-Eliteschule der NS-Zeit; W. Meier war in Ballenstedt und Köthen auf dieser "Erziehungsanstalt") und später in der DDR erfolgreicher Sportler wurde (Walter Meier nahm an den Olympiaden in Melbourne 1956 und Rom 1960 teil). Damit war Walter Meier ein Zeitzeuge für unsere Schüler, der aus eigener Erfahrung über die in der Nazizeit geltenden Erziehungsschwerpunkte (Erziehung zu Pflicht, Glaube, Treue usw. durch militärischen Drill, uniformierte Haarschnitte und Einheitskleidung) berichten konnte. Die Zeit an der NAPOLA endete bei Walter Meier mit dem Notabitur zu Kriegszeiten. Dem setzte der Abiturient der Jetzt-Zeit, Daniel Tautz, seine eigene Entwicklung entgegen, die sich durch Mitsprachemöglichkeiten in der Schule, Wahlmöglichkeiten in der Sprachausbildung, durch die Chance, nach der Schulzeit ins Ausland zu gehen und vielen weiteren Möglichkeiten grundsätzlich von der Schulausbildung zur NS-Zeit unterscheidet.

Als "Dokumente" seiner Jugend brachte W. Meier ein Klassenfoto von 1933 mit (als 11jähriger wurde er nach einer Aufnahmeprüfung in die NAPOLA augenommen), ein Messer mit der Aufschrift "Mehr sein als scheinen", das die Eleven erhielten sowie Lebensmittelkarten und Geldscheine der Nachkriegszeit, die eine wichtige Rolle in den ersten Nachkriegsjahren spielten. Seine Frau las einige Passagen aus dem Buch "Interview mit mir selbst" vor, in dem Walter Meier sein Leben beschreibt.

Unsere Schüler beteiligten sich durch Fragen ihrerseits an den Ausführungen. So interessierte zum Beispiel, wie denn die Schulausbildung der Mädchen in der NS-Zeit verlief. Es wurde auch über den Sinn vs. Unsinn von Mutproben und militärischer Ausbildung gesprochen. Unsere Schüler erhielten den Auftrag, mal bei den eigenen Groß- und Urgroßeltern nach deren Lebensgeschichte nachzufragen.

Eine gelungene Veranstaltung, für die wir uns bei Daniel Tautz, Walter Meier, Thea Gerstenberger sowie der Cornelius-Buchhandlung recht herzlich bedanken. 

PS: Zum bevorstehenden 85. Geburtstag wünschen wir Walter Meier Gesundheit und einen sonnigen Tag und Daniel Tautz wünschen wir für seinen Australien-Aufenthalt eine erlebnisreiche Zeit.

Weiterführende Links: 
>> Wikipedia-Artikel zu Walter Meier 
>>  Buch und Kunsthaus Cornelius

Zu den Büchern

       
Hallesche Anthologie
(D. Tautz)
Interview mit mir selbst
(W. Meier)
Gereimtes über Ungereimtes
(W. Meier)
Wie ich geheiratet wurde (Meier)


Zu einigen Fotos:
1 - Walter Meier mit zwei "Schülerzeitungen" der NAPOLA, Thea Gerstenberger mit der Autobiographie ihres Mannes "Interview mit mir selbst" und Daniel Tautz mit der Halleschen Anthologie
7 - Schülerzeitung aus der NAPOLA in Ballenstedt mit Todesanzeigen ehemaliger Schüler
8 - ein Gedicht aus einer Schülerzeitung der NAPOLA, das die NS-Erziehungsziele für Jungen zum Ausdruck bringt 
9 - Walter Meiers Erinnerungsstücke aus der NAPOLA-Zeit: Dolch und Klassenfoto
10 - Erinnerungsstücke aus der Nachkriegszeit: Lebensmittelkarten und erstes selbst verdientes Geld

[Bk 18-07-12; Fotos Bk]