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IGS üBERNIMMT PATENSCHAFT üBER ZWEI STOLPERSTEINE

Am 3. November 2012 wird Gunter Demnig die nächsten Stolpersteine in Halle setzen. Darunter ist einer für Ida Elkan am Steintor 18 und einer für Dr. Albert Müller in der Albert-Schweitzer-Str. 54. Beide Namen stehen in Verbindung mit unserem Schulstandort in der Adam-Kuckhoff-Str. Ida Elkans Sohn Werner, der zeitweise mit im Haus am Steintor wohnte, war ebenso wie Albert Müller Absolvent des Stadtgymnasiums. Werner Elkan wurde noch im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert, konnte dort aber befreit werden. Seine Mutter überlebte die Naziherrschaft nicht. Sie wurde 74 Jahre alt. Auch Albert Müller gehört zu den Opfern der NS-Zeit. Er wurde im Alter von 64 Jahren im Vernichtungslager Sobibor 1942 getötet.

Beide Stolpersteine wurden durch Spenden der IGS finanziert.

Information des Vereins "Zeit-Geschichte(n)" zur Verlegung der Stolpersteine:

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SAMSTAG, 3.NOVEMBER 2012

Neue Stolpersteine für Halle

11.15 Uhr Beginn und Gedenken

Brüderstraße 17 (vor dem Haus der Löwenapotheke am Markt)

danach (in Reihenfolge der geplanten Verlegung)Wörmlitzer Straße 108, Rudolph-Breitscheid-Straße 14, Am Steintor 18, Harz 18, Mühlweg 55, Lafontainestraße 4 und 10, Albert-Schweitzer-Straße 54 Albert-Schweitzer-Straße 54 (ehemals Zeppelinstraße)

Hier wohnten

Dr. jur. Albert Müller, Else Müller geb. Baer, Emil Müller, Lucie Helft, gesch. Stern, geb. Heinemann

Albert Müller wurde am 14. März 1878 in Halle geboren. Er besuchte das Stadtgymnasium, studierte Jura in Würzburg und Leipzig, eröffnete in Halle eine Anwalts- und Notarpraxis und heiratete 1911 Else Baer, geboren am 27.Juli 1887 im westfälischen Hamm. 1913 wurde Sohn Hans-Joachim, 1920 Tochter Irmgard geboren. Albert Müller nahm als deutscher Soldat am 1.Weltkrieg teil und hatte durch eine Verwundung ein Bein verloren. Eine Bauakte von 1926 weist den Rechtsanwalt und Notar Dr. jur. Albert Müller als Eigentümer des Hauses Zeppelinstraße 54 aus. Sein jüngerer Bruder Emil Müller, ebenfalls in Halle geboren am 7.Juli 1880, war Besitzer der Lederwarenfabrik E. Müller & Co OHG. Er war unverheiratet, wohnte zunächst bei seinen Eltern, aber nach deren Tod bei seinem Bruder. 1934 gelang dem 21-jährigen Hans-Joachim Müller die Flucht über Panama in die USA. 1938 gehörten Albert und Emil Müller zu den jüdischen Männern, die im Zuge der Pogromnacht am 10. November 1938 verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht wurden. Das dortige Sterberegister weist für den 20. Dezember 1938 den Tod des 58-jährigen Emil Müller durch „Schlaganfall“ aus. Der kriegsversehrte Albert Müller überlebte und wurde ab Dezember 1938 in Halle zu Zwangsarbeit u.a. im Straßenbau verpflichtet. Weitere Hausbewohner waren bis 1939 noch Hans Helft-Brummer (geb. 5. Aug. 1895, Miteigentümer der Kaufhäuser Alex Michel und Brummer &. Benjamin), der im Juni 1939 nach Chile flüchtete und die geschiedene Lucie Stern geb. Heinemann, geboren am 13. März 1897 in Hannover. Ab 1940 erscheint in den Akten Dipl.-Ing. Edmund Grübler, NSDAP-Mitglied seit 1932, als Hauseigentümer. Albert und Else Müller sind jetzt im Haus Händelstraße 3 gemeldet. Lucie Stern wurde ins ‚Judenhaus’ Forsterstraße 13 eingewiesen. Hier traf sie auf den Vater von Hans Helft-Brummer, der ebenfalls seine Wohnung verloren hatte. Mitte 1942 begannen die Vorbereitungen für eine ‚Umsiedlung der Juden nach Osten’. Keiner der Betroffenen wusste wohin die Reise gehen wird und was sie am Ziel erwartet. Um sich Beistand zu geben und bei der ‚Umsiedlung’ nicht auseinandergerissen zu werden, gab es kurz vor der Deportation noch etliche Eheschließungen. So auch zwischen der 45-jährigen Lucie Stern und dem 68-jährigen Cuno Helft. Am 1.Juni 1942 wurden der 64-jährige Albert und die 54-jährige Else Müller, Schwägerin Henny Müller [→ Rathenauplatz 3], Lucie und Cuno Helft [→ Universitätsring 19/20] sowie 150 weitere Juden von Halle aus ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und sofort am Ankunftstag, dem 3.Juni 1942, mit Gas ermordet.

 

Am Steintor 18

Hier wohnte Ida Elkan geb. Wittenberg

Ida Elkan wurde am 12. Juli 1868 in Magdeburg geboren. Die Witwe war Eigentümerin des Hauses Am Steintor 18 bis es von der Gestapo als ‚Judenhaus’ deklariert und zur Zwangsaufnahme aus ihren Wohnungen vertriebener Juden bestimmt wurde. Ida Elkan zog zu ihrem Sohn, dem Juristen Dr. Werner Elkan. Am 26. Februar 1942 wurde sie in das Sammellager auf dem Gelände des Jüdischen Friedhof Dessauer Straße (damals Boelckestraße) eingewiesen und ein Jahr später nach Theresienstadt deportiert. Dort lebte die 74-Jährige noch vier Wochen und starb am 25. April 1943.Ihr Sohn, dem die Ehe mit einer nichtjüdischen Frau (im Nazijargon ‚Mischehe’) noch eine zeitlang einen gewissen Schutz bot, wurde erst im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte.

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Weiterführende Links:
>> Verlegte Stolpersteine in Halle (Verein Zeit-Geschichte(n))
>> freier Stadtplan Halle (Innenstadt mit IGS-Gebäude) mit Stolpersteinen, von Schülern der IGS und der AG Spurensuche auf der Karte verzeichnet

[Bk 20-10-12]

Link zur zentralen Stolpersteinseite und zur Seite G. Demnigs