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80. JAHRESTAG DER BüCHERVERBRENNUNG IN HALLE-
AUCH ERNST OTTWALT STAND AUF DEM INDEX

Am 12. Mai 1933 um 20:30 Uhr brannten auch in Halle Bücherberge von Autoren, die dem NS-Regime nicht ins Bild passten. Bekanntlich taten sich dabei NS-Aktivisten der Studentenschaft in Halle besonders hervor und stellten schon im April 1933 einen "Vorläufigen Hallischen Generalindex" der verfemten Autoren zusammen, die aus den Bibliotheken der Universität sowie den öffentlichen und privaten Bereichen zu verschwinden hatten.
Anlässlich des 80. Jahrestages der Wiederkehr dieses Tages hatte das Hallesche "Bündnis für Zivilcourage - Halle gegen Rechts" an genau der Stelle auf dem Universitätsplatz, an dem vor 80 Jahren die Bücherverbrennung in Halle stattfand, einen symbolischen Bücherstand errichtet, an dem auch eine Kopie des "Vorläufigen Halllischen Generalindexes jüdischer, marxistischer, pazifistischer und anderer volkszersetzender Schriften" auslag*. Und eben auf dieser Liste findet man den Namen eines Schriftstellers, der ca. 13 Jahre nach seinem Abitur auf dem Stadtgymnasiums mit all seinen Publikationen aus den Halleschen Bibliotheken verschwinden sollte: Ernst Gottwalt Nicolas (so in den Schulakten genannt) alias Ernst Gottwalt (Künstlername, unter dem er veröffentlichte). Damit können wir als eine Nachfolgeschule im Gebäude des ehemaligen Städtischen Gymnasiums" durchaus stolz sein, dass ein solcher Publizist in unserem Schulhause vor langer Zeit sein Abitur ablegte. Es sei auf die ausführlichen biografischen Artikel zu Ottwalt innerhalb unserer Webpräsenz "Spurensuche" und auf die Literatur von und über Ottwalt im historischen Schularchiv verwiesen.

Bemerkenswert die Initiative der Stadtbibliothek Halle einmal aufzulisten, welche Literatur der damals "verbrannten Autoren" heute in dieser öffentlichen städtischen Bibliothek vorhanden ist. Mit Bedauern stellen wir aber fest, dass Ernst Ottwalt nicht darunter ist, obwohl er in Halle sein Abitur machte und mit seinem Roman "Ruhe und Ordnung" lesenswerte Regionalliteratur schuf.

Auch 80 Jahre nach der Bücherverbrennung sind die meisten der damals geächteten Autoren in öffentlichen und privaten Bibliotheken weiterhin präsent. 

Weiterführende Links:
- Der "Vorläufige Hallische Generalindex" kann als pdf-Datei beim Stura der MLU abgerufen werden.
- Pressemitteilung der MLU zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung in Halle
- "Gedenkplatte erinnert an Bücherverbrennung" Pressemitteilung der MLU

Zu den Fotos (Quellen - Materialien entstammen Schautafeln auf dem Uni-Platz bzw. im Audimax)

1-3 Aus dem "Vorläufigen Hallischen Generalindex ..."
4 - An dieser Stelle fand 1933 die Bücherverbrennung statt
5 - NS-Aufruf zur "Säuberung der Universität"
6 - Brief der NS-Studentenschaft an Bibliotheken
7 - Ankündigung der Bücherverbrennung in Halle
8 - Auflistung von Büchern verfemter Autoren der NS-Zeit, die man heute in der Stadtbibliothek Halle ausleihen kann

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(*) Die von einem breiten Bündnis getragene Veranstaltung schloss auch Lesungen der verfemten Autoren in Seminarräumen und eine offizielle Eröffnung im Audimax (auch der Rektor der Universität, ein Bürgermeister der Stadt Halle und ein Schriftsteller traten neben einer musikalischen Umrahmung dort auf) ein. Weiter heißt es in einer Ankündigung: " Ein volles Bücherregal an dem Platz der Bücherverbrennung und eine Leseecke ermöglichen es, die ehemals geächteten Bücher wieder zu lesen. Die Freunde der Stadtbibliothek bieten einen Bücherverkauf an."

[Bk 13-05-13]

GEDENKTAFEL ZUR BÜCHERVERBRENNUNG IN HALLE

Text auf der Gedenktafel: "Auf diesem Platz wurden am 12. Mai 1933 von Nationalsozialisten unter massgeblicher Beteiligung von Studenten und Dozenten der Universität Bücher verbrannt - Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt  verbrennt man auch am Ende Menschen (Heinrich Heine""