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EIN FAST 145-JäHRIGES SCHULHAUS IST GENERALSANIERT

Am Freitag, dem 13. September 2013 (nomen est omen), wurde feierlich dem Schulleiter der IGS.Halle der Schlüssel für das sanierte Schulhaus übergeben.  Für die AG Spurensuche Anlass genug zu überprüfen, was vom "Alten" geblieben ist, was während der Bauarbeiten gefunden wurde und welche Schwerpunkte es für die "historische" Arbeit bis zum 150-jährigen Jubiläum im April 2019 geben wird.

Aus historischer Sicht ist die Ähnlichkeit mit dem alten Stadtgymnasium, für das ja das Haus einmal gebaut wurde, größer geworden. Zu mindest von außen, in der Eingangshalle, auf den Fluren, auf den Treppenaufgängen und in der Aula. Farbanstriche, Steinfußboden, Türen, Fensterrahmen, Stuckelemente an Säulen und Decken - darin erkennt man die Sicht des 19. Jahrhunderts, wie man sich ein klassisches Gymnasium für Jungs vorstellte.  Ob das wirklich auch heute noch so aussehen muss (s. den nun erneut dunklen Eingangsbereich, der kaum noch Licht von außen rein lässt; s. die Steinfußböden und Steintreppen) ist wohl nur für Denkmalschützer eindeutig mit einem "ja" zu beantworten. Aber: Hier soll kein historischer Film gedreht werden, sondern läuft ein moderner Schulbetrieb ab. Dafür sind aber, dass muss man der Gerechtigkeit wegen sagen, die Klassen-, Fach- und Verwaltungsräume der heutigen Zeit angepasst gestaltet.

Die größten Veränderungen hat es wohl in den Boden- und Kellerräumen gegeben. Sie sind z. T. nicht mehr wieder zu erkennen. Auch sind einige Wände verschwunden bzw. versetzt worden. Vom alten großen Zeichenraum, wie er 1869 im ersten Obergeschoß entstanden war ist nach früheren Umbauarbeiten (wahrscheinlich zu DDR-Zeiten) noch ein großes Lehrerzimmer mit Holzsäulen übrig geblieben, das nun weiter reduziert als Rumpf nur noch in der Lernwerkstatt durch die zwei Flügeltüren erkennbar ist. Auch die Säulen sind nicht mehr da (in Wänden eingebaut?). Zu Riehms Zeiten war dieser Raum auch schon Lehrerzimmer (Blaufotos im histor. Schularchiv zeigen den Raum mit röm./griech. Skulpturen auf den Schränken).
Die kleinen Räume, die es auf dem unsanieten Dachboden gegeben hat, sind weg. Wahrscheinlich waren diese Wände während der Lazarett-Zeit (Ende II. WK = dt. Lazarett; Nachkriegszeit = sowjet. Lazarett) im Hause eingezogen worden.
Das alte Kellergeschoss enthielt noch bis zur Sanierung Spuren dessen, wozu es früher diente: Türen, die z. T. an Wohnungstüren (mit Briefschlitz) erinnerten und geflieste Gänge. Es war der Bereich der zwei Kellerwohnungen für die Hausmeister der beiden Schulen, die im Haus untergebracht waren (Kopien alter Raumpläne sind im histor. Schularchiv). Bis wann dieser damals sehr dunkle und feuchte Bereich noch als Wohnung genutzt wurde ist unbekannt. Nun durch Kunstlicht sehr hell und sauber gestaltet erkennt man den alten Keller überhaupt nicht mehr.

Auch der einzige noch existierende Trinkbrunnen im Erdgeschoss, der zu IGS-Zeiten den Namen Gottfried-Riehm-Brunnen erhielt, existiert noch, ist aber wie vorher nicht in Betrieb.

Die kleinen Räume, die zu Zeiten des Stadtgymnasiums als Sammlungs- und Bibliotheksräume genutzt wurden, sind, als Teamräume gestaltet, immer noch erkennbar.

Im Aulageschoss fällt bis heute eine Flügeltür zu einem Klassenraum und eine verwinkelte Ecke auf, die in "grauer Vorzeit" an die Wohnung des ersten Schuldirektors, Prof. Otto Nasemann, erinnert bzw. als Nebenraum zur Aula im Anfangsstadium des Schulhauses zur Aufbewahrung von Gipsabgüssen diente und später als "Orgelzimmer" benannt Teile der Orgel aus der Aula beherbergte.  
Schaut man sich die Einladung zur Orgelweihe 1928 an (ist als Kopie im histor. Schularchiv vorhanden) so sieht man, dass die Wandgestaltung der damaligen entspricht. Die "alten" grünen Fenstervorhänge (alt i. S. von vor der Sanierung) sind auch jetzt noch die einzige Möglichkeit der Verdunklung in der Aula. Interessant diesbezüglich eine Formulierung des Schuldirektors Röhrscheidt aus den zwanziger Jahren, der in einem Jahresbericht des Stadtgymnasiums darauf verweist, dass die Schule einen Teil der "Verdunklungsanlage" der Aula abzahlen konnte. In welcher Form diese Verdunklungsanlage bestand ist nicht bekannt. Zu Farbe und Muster der großen Vorhänge in der Aula ließ sich historisch nur ein Dokument im Stadtarchiv finden, dass einen Kostenvoranschlag für braune Vorhänge mit einem Mäanderband enthielt.  

Zu den sogen. Pavillons (Nebengebäude) ist folgendes zu sagen: auch der linke Teil hat nun wieder zwei Eingangstüren. Historisch gesehen dienten ja die Gebäude ursprünglich als Direktorenwohnungen, als die Klassenräume im Hauptgebäude nicht mehr reichten und in der Regel zwei Schulen im Gebäude sich alles teilen mussten. Diese Phase dauerte nicht lange und die Direktoren zogen endgültig in die Stadt, da Unterrichtsraum benötigt wurde (bekannt ist der Beschwerdebrief von Dr. Schotten, Direktor der Oberrealschule, als sie noch in unserem Hause war, als er "von höherer Stelle" aufgefordert wurde, seine Wohnung (da, wo jetzt der Musik- und der Hauswirtschaftsraum sich befindet) aufzulösen und in die Stadt zu ziehen).  

Im Außenbereich wurden Zaungitter und Tore ebenfalls nach altem Vorbild gestaltet.

Chancen, die vergeben wurden: Die Sanierung vom Keller bis zum Dach hätte uns die Möglichkeit schaffen müssen, auch bautechnisch Einblick in die Geschichte des Hauses nehmen zu können. Da wurden bestimmt einige interessante "Entdeckungen" gemacht. Leider war weder zum Denkmalschutz noch zu den Bauleuten ein entsprechender Kontakt möglich, der zeitnah dafür geführt hätte, uns auf Außergwöhnliches aufmerksam zu machen. Nach dem Prinzip "Jeder macht sein Ding" liess sich niemand "in die Karten kucken" und war leider nicht an einer besonders engen Zusammenarbeit mit denen bedacht, die dann wieder in dem Haus arbeiten werden. Schade! Es gibt "nur" zwei Fundstücke, die dem Schulleiter übergeben wurden und die hier mit vorgestellt werden. Ein "Blechtrichter" aus ganz alter Zeit (eingemauert neben einer Tür zu einem Unterrichtsraum) und eine leere Schnapsflasche aus DDR-Zeiten, in einer zugemauerten Tür gefunden.

Der Inhalt der Flasche besteht aus zwei Blättern (Rechnungen aus DDR-Zeiten). Auf dem inneren Blatt findet sich folgender Text:

"Die Schule wurde 1971 bis1972 von der Firma Ernst Kopf, Halle, Leninallee 150 umgebaut. Die Maurer der Zeit waren
Hentze, Kurt            Oppin             geb. 25.5.28
Pannier, Ernst          Oppin            geb. 10.10.22
Kittler, Rudi              Oppin            geb. 22.6.36
Bieber, August          Brachstedt  geb. 15.7.04

Der Direktor dieser Schule war Fritz Koch
Halle, Halberstädter Str. 1

Halle, den 11.1.1972"

Trotz des abgerissenen Etiketts kann man erkennen, dass die Flasche Weinbrand-verschnitt zu 4,35 DDR-Mark enthielt. Sollten die genannten Personen noch leben so würden wir uns freuen, wenn sie sich bei uns melden würden.
Funde dieser Art hätte man sich mehr gewünscht.

Schade auch, dass bestimmte Dinge, die wohl als Bauschutt entsorgt wurden (die alten Kacheln aus dem Keller, die als Wohnungstür sichtbare Holztür aus dem Keller usw.), nicht vorher "inspiziert" werden konnten, ob sich nicht doch historisch Wertvolles darunter befindet und für die "Nachwelt" aufgehoben werden sollte. Praktisch wäre das nur bei einer entsprechend guten Zusammenarbeit mit dem Bauträger möglich gewesen. Vorbei ist vorbei ...

[Bk 16-12-13; Fotos Bk]