Logo IGS

KRAKAU - AUSCHWITZ. EINE STUDIENFAHRT.

Die Studienfahrt „Krakow  - Auschwitz“ fand in diesem Schuljahr in der Woche vom 4. bis zum  8. April 2016 statt und wurde von Frau Schuchardt, Frau Mietzelfeld und Herrn Budnik aus dem Team 9 begleitet. Organisiert und geleitet hatte die Studienfahrt Herr Lampe, dem wir an dieser Stelle unseren Dank aussprechen wollen. Den fast 50 teilnehmenden Schülern des 9. Jahrgangs wird die Fahrt hoffentlich lange in Erinnerung bleiben, da sie mit dem schwärzesten Teil deutscher Geschichte an authentischen Orten konfrontiert wurden. Aber wir lernten auch die brodelnde polnische Stadt Kraków kennen, die für sich schon eine Reise wert ist.

Zu unserem Programm gehörte neben einem Stadtrundgang durch die Altstadt Krakows die Besichtigung der ehemaligen Emaillefabrik Oskar Schindlers, ein Rundgang durch das jüdische Viertel mit Besichtigung einer Synagoge und eines jüdischen Friedhofs, eine Fahrt durch das ehemalige jüdische Ghetto während der deutschen Besetzung, sowie der Besuch des Wawels von Krakow. Natürlich hatten wir auch Freizeit, um die Altstadt selbst erkunden zu können. Emotional stark belastend war natürlich die Fahrt nach Oświęcim (früherer deutscher Name „Auschwitz“). Bilder, die die Schüler nur aus den Geschichtsbuch kannten wie das Eingangstor zum Stammlager mit dem Spruch „Arbeit macht frei“, wurden so zu einer Wirklichkeit, die man einfach nicht verdrängen darf. Ja, das hatte es alles wirklich gegeben.
Eine besondere Note bekam die Besichtigung des KZ Auschwitz dadurch, dass im Stammlager am Block 10, in dem damals medizinische Experimente an lebenden Menschen durch „KZ-Ärzte“ durchgeführt wurden, ein Schüler von uns über Horst Schumann berichtete, der Abiturient des Stadtgymnasiums 1925 war, im Dritten Reich eine medizinische „Karriere“ im Bereich der Euthanasie machte, Selektionen in Auschwitz durchführte und an „medizinischen Experimenten“ aktiv beteiligt war. Damit trägt dieser Horst Schumann die Verantwortung für den Tod von mehreren tausend Menschen. In Auschwitz-Birkenau gedachten wir auf der sogenannten „Rampe“ der Juden Julius und Fritz Schwab aus Halle, die ebenfalls Schüler des Stadtgymnasiums waren und in Auschwitz 1942/43 vergast wurden. 5 Stolpersteine in der Rannischen Str. 1 und einer vor der Flüchtlingsunterkunft am Riebeckplatz erinnern an ihr Schicksal und das ihrer Familien.

--------------------------------------------------------------------

Hier einige Reflexionen von Schülern über ausgewählte Aspekte der Fahrt:

(Luis)

Dieser Mittwoch war der erste Tag, der versprach, wieder etwas kühler zu werden. Das Konzentrationslager Auschwitz I erscheint allein schon durch seine Größe beeindruckend. Nicht nur, dass die Baracken, gefüllt mit mehreren Hunderten, von einem hohen Zaun umschlossen sind, auch stehen alle 50 Meter Wachtürme. Unsere mit leichtem polnischen Akzent deutsch sprechende Tour-Leiterin, die mit Regenschirm und Tasche ausgerüstet war, erklärte ausführlich und mit jeder Menge erschreckender Einzelheiten, dass die Inhaftierten mit Waggons über Schienen in das Lager gebracht wurden und dort ein anwesender Offizier mit einer Handbewegung über Leben und Tod entschied. Es wurde über die sofortige Vernichtung oder die Möglichkeit zu überleben gerichtet. Im Durchschnitt währte laut ausgestellter Dokumente die weitere Existenz drei bis vier Monate, wofür harte Arbeit bei etwa 300 kcal Nahrungszufuhr, Krankheiten und Seuchen verantwortlich zeichneten. Nicht nur andere ausländische Besucher, sondern auch unsere Gruppe zeigten sich am besagten Ort tief gerührt, denn obwohl diese Geschehnisse vor über 70 Jahren passierten, müssen wir Jugendliche uns derer erinnern, die den Grausamkeiten zum Opfer fielen, und denen helfen, welche direkt oder indirekt noch immer darunter leiden.

 

Bemerkung: es ist nicht das Stammlager Auschwitz I in der Stadt gemeint, sondern Auschwitz II, das heute als „Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau“ bezeichnet wird.  (Bk)

(Sophie, Angelique)

Am Mittwoch, dem 6.4.2016 fuhren wir vormittags nach Auschwitz I, wo wir in einem Block Kinderzeichnungen sahen. Die Kinder ritzten die Zeichnungen in die Wände, die später rekonstruiert wurden. Die kleinen gemalten Bilder, die darstellten, was in ihrer Umgebung vor sich ging oder was sie vermissten. Ein Bild zeigte, wie ein SS-Mann mehrere Juden erschossen hat. Wir haben selber Geschwister, die in dem Alter der minderjährigen Gefangenen sein könnten. Uns hat der bildnerische Aufschrei emotional sehr mitgenommen.

Ein bewegender Moment (Mandy)

Die Rampe: Bewegend fand ich die Geschichte der Familie Schwab. Diese Familie wurde von der einen auf die andere Sekunde von „Ärzten“ aussortiert und vergast. Mutter, Vater und die 3 Töchter, die 14, 15 und 16 Jahre alt waren. Wir waren sehr traurig, weil die Kinder in unserem Alter waren und noch nicht so viel von der Welt gesehen haben und, weil sie nichts für ihre Religion können, weil sie dort hineingeboren wurden. Generell, dass alle Menschen, die dorthin gekommen sind, wurden in Sekunden von diesen „Ärzten“ aussortiert oder ausgewählt. Dass diese Menschen auch nicht wussten, ob sie wirklich geduscht oder vergast wurden war schlimm. Außerdem ist es schlimm, dass diese Leute in ihren letzten paar Minuten noch belogen wurden. Dass manche Frauen sich Blut auf die Lippen gemacht haben, damit sie jünger aussehen, war ein bisschen gruselig, aber sie wollten einfach nur leben. Ich denke auch, dass die, die geflohen sind aber wieder eingefangen und erschossen wurden das wollten, weil es für sie eine Erlösung war.

(Karl)

Am Mittwoch, dem 06.04.2016, besuchten wir das Konzentrationslager Auschwitz. Als wir schon einen Großteil der Führung bestanden hatten kamen wir in die moderne Ausstellung. Dort befand sich ein Raum, der ein Buch beinhaltete. Es war kein Buch mit Einband, sondern so  gegen die Wand aufgehängte Seiten. Diese Seiten beinhalteten alle Namen der Opfer von Auschwitz.  Die Seitenzahl betrug 1863 Seiten. Allein beim Anblick dieses Buches wurde mir ganz flau im Magen und als ich darüber nachdachte, dass jeder einzelne Name eine Geschichte für sich hatte überhäuften mich die Emotionen und einige Tränen flossen. Seit diesem Raum habe ich noch viel nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass es das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte ist und das wir es nie vergessen dürfen, den Opfern zu gedenken.

---------------------------------------------------------------------------

Bis auf ein kleines technisches Problem mit dem Bus auf der Hinfahrt verlief alles „nach Plan“ und auch wir, die begleitenden Lehrer, können durchaus zufrieden sein, da wir von unseren Schülern nicht enttäuscht wurden.

Erläuterungen zu den Fotos:
1- Gruppe vor dem Adam-Mickiewicz-Denkmal auf dem Hauptmarkt
2- Buswechsel bei Gliwice
4- Erklärungen zum Glowny Rynek, einem der Sehenswürdigkeiten Krakaus
5- Auf dem Balkon der Tuchhallen  
6- Im Universitätsbezirk der Stadt
7- Auf dem Weg zum Wawel, dem Königsschloss
8- Gespräch im Museum "Galizien" mit der jüdischen Zeitzeugin Monika Goldwasser
9- Ein Schüler liest in englischer Sprache ein Gedicht des Vaters der Zeitzeugin vor
10- Im Austellungsbereich des Museums
11- Im sogen. Stammlager Auschwitz I
12- Weg durch das Eingangstor
13- Ein Schüler berichtet vor dem Block 10 über einen der berüchtigten KZ-Ärzte ("Dr." Horst Schumann). In diesem Block führte er medizinische Experimente an Menschen durch.
14+15 Rekonstruierte Kinderzeichnungen
16+17 Die Namen der Opfer von Auschwitz in einer schier endlosen Liste veröffentlicht.
19- Vor dem Platz, an dem der ehemalige Kommandant von Auschwitz (Rudolf Höß) nach einem Gerichtsverfahren vor einem polnischen Gericht 1947 gehenkt wurde.
20- In einem als Gaskammer genutzten Raum in Auschwitz I 
21- Auch die Familie der Anne Frank wurde nach Auschwitz deportiert.
22- Auf dem Weg ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
23- In einer hölzernen Wohnbaracke, in der bis zu 400 Häftlinge untergebracht waren
24+25- Auf der sogen. Rampe (hier fand die Selektion statt); eine Schülerin berichtet über die Juden Julius und Fritz Schwab aus Halle, die beide Schüler des Stadtgymnasiums gewesen waren und in Auschwitz vergast wurden. Tiefe Betroffenheit bei den Schülern als sie hörten, dass die ebenfalls vergasten drei Töchter von Fritz Schwab 14, 15 und 16 Jahre alt waren.
26- Ein Güterwaggon, wie er damals zur Deportation in KZs benutzt wurde. Auf den Stufen des Waggons sahen wir kleine Steine, wie sie von jüdischen Menschen auf Friedhöfen niedergelegt werden.
27+28 Gedenkort für die Opfer aus 23 Nationen  
29 In der sogen. "Sauna", in der die als "arbeitsfähig" selektierten Häftlinge registriert wurden und Häftlingskleidung anzuziehen hatten. 30- In einen Teich neben einem der Krematorien (heute zerstört) wurde die Asche der verbrannten Leichen geschüttet.
31- Auf dem "steinigen" Weg der Lagerstraße
32-34 Blick vom ehemaligen Wachturm auf das Lager
35-38 Im jüdischen Viertel Kasimiercz
39- Ein Hof, auf dem Szenen von "Schindlers Liste" gedreht wurden
40- Platz der Ghettohelden; hier wurden Selektionen während der deutschen Besatzung durchgeführt  
41-43 In Oskar Schindlers ehemaliger Emaillefabrik - heute Erinnerungsstätte an die deutsche Besatzungszeit
44- Rückfahrt
 

B. Budnik (10-04-16, Fotos Bk)