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MADAME TUSSAUDS

Irgendwie scheinen Berühmtheiten ein eigenes Gravitationsfeld zu besitzen. Man sollte eigentlich meinen, dass donnerstags an einem Werktag keine Unmengen von Besuchern ein Wachsfigurenkabinett heimsuchen, aber das Leben hält immer ein paar Überraschungen bereit. Hatte man aber den Nerv, sich an all den andern Besuchern vorbeizudrängeln, stellten sich die 15€ Gruppenpreis allerdings als keine schlechte Investition heraus: Johnnie Depp umarmen, dem Dalai Lama über die Glatze streicheln, mit Shrek kuscheln oder ganz allein auf dem olympischen Siegertreppchen stehen- mit ein paar Beweisfotos präsentierte diese Art Erlebnis schnell seine anziehende Seite. Unvermeidlich ist einem auch das Minigruselkabinett im Gedächtnis haften geblieben. Das hört sich vielleicht nicht so besonders schrecklich an, aber wenn einem lebende Schauspieler wie ein verirrter Gollum entgegengekrabbelt kommen, einem in den Nacken atmen oder den Weg versperren, dann ist man zum Schluss doch ganz froh, dem Wahnsinn mit heiler Haut entkommen zu sein. Der Veranstalter hatte sich wahrscheinlich ähnliches durch den Kopf gehen lassen, als er die nachfolgende Attraktion- eine Art Rundfahrt durch die Geschichte Londons- designen ließ. Vielleicht dachte er, dass man nach einer Adrenalindosis den Rest etwas ruhiger angehen sollte... und in diesem Punkt hat er sich selbst übertroffen. Denn nun lautete das Motto: ‚schlafen statt schreien’. Zum Glück waren die Mitarbeiter von Tussauds so freundlich, einen aufzuwecken, wenn man am Ende angelangt war. Da blieb einem nur noch übrig, dösig durch den Ausgang ins Freie zu taumeln...  

[Or; Ulrike Pohle, QII/3]
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